Exkursion im Landschaftspark Duisburg am 27. Juni 2017

„Geschichte einer neuen Heimat“

Dort, wo einst das Glühen des Eisens den Nachthimmel beim Abstich erleuchtet hatte, erkundeten die Klassen IFK 163 und 164 des Förderzentrums für Flüchtlinge am 27. Juni 2017 ein Stück Ruhrpott-Geschichte. Begleitet von zwei Pädagogen der Deutschen Angestellten-Akademie, machten sich die Klassen morgens auf den Weg in den Landschaftspark Duisburg, welcher auf ca. 180 Hektar Industriekultur und Natur in weltweit einzigartiger Weise verbindet. Wie viele andere Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben, konnten die meisten Teilnehmer zunächst nichts mit den Begriffen „Ruhrpott“ und „Industriekultur“ anfangen. Doch dies sollte sich im Verlauf dieser Exkursion noch ändern…

Noch vor dem Haupteingang waren die überwucherten Bahnschienen zu sehen, auf denen die alten Lokomotiven scheinbar die Richtung wiesen. Die Führung selber übernahm ein Pädagoge, der als Kind des Ruhrpotts erklärte, wie aus Möller und Koks flüssiges Eisen entstand. Zwischen Pfannenwagen, Hochöfen und Bunkern wurde an vielen einzelnen Stationen deutlich, wie komplex dieser Prozess gewesen sein muss. Hierbei wurden viele Fragen gestellt – es entwickelte sich ein reger Dialog, in dem alle die Geschichte einer neuen Heimat in ihren Köpfen zum Leben erwecken konnten. Gerade inmitten dieser Vorstellungen betrat die Gruppe den Hochofen 5, welcher auf der Besucherplattform in ca. 70 Metern Höhe einen eindrucksvollen Ausblick auf das Ruhrgebiet freigibt.

 „Dat da is der Ruhrpott“ hörte man von anderen Besuchern, während die Augen nicht zuletzt auch durch das dort montierte Fernrohr in die Ferne blickten. Neben den vielen Worten, die an die Teilnehmer gerichtet wurden, sollte dieser Ausflug in Bildern festgehalten werden, um vielleicht irgendwann als Andenken an eine Zeit des Kennenlernens sowie des Ankommens zu dienen. Dabei ergaben sich einige Schnappschüsse, auf denen Teilnehmer und Pädagogen Bewegung zwischen die starren Metallbauten brachten. An diesem Punkt entstand das Bild, auf welchem einige der Gruppenteilnehmer scheinbar abheben – ein Bild mit Symbolwirkung, da es die Bewegung des Gesellschaftswandels unmittelbar mit der unveränderlichen Geschichte einer neuen Heimat verknüpft.

Im Anschluss an die letzten Stationen des Tages durfte des Malochers liebster Sport nach der Arbeit natürlich nicht fehlen; Zeit für’s Runde ins Eckige. Den Pädagogen wurde schnell klar, dass diese Mannschaft kein leichter Gegner auf dem Fußballturnier der DAA werden wird – wie zu besten Sportschau-Zeiten kickten die Teilnehmer, als ob ein ganzes Stadion mitfiebern würde – und wer wat macht, der hat auch Kohldampf! Wie sonst sollte man diesen stillen, als mit einer italienischen Pizza? Viele Italiener fanden zu Zeiten des Wirtschaftswunders Arbeit in der Stahlindustrie und sorgten in deren Hochphase für eine wichtige kulinarische Bereicherung unserer Heimat – so wurde ein letzter Aspekt vermittelt, bevor die Gruppe in gemütlicher Runde auf eine der Parkwiesen Platz nahm und das Erlebte Revue passieren ließ. Endlich angekommen.